» Blaudruckerei in Jever

Blaudruckerei in Jever

Copyright Blaudruckerei in Jever

Copyright Blaudruckerei in Jever

Traditionelle Handwerkskunst

In der bekannten Jever Blaudruckerei wird die Tradition alter ostfriesischer und norddeutscher Blaudruckereien fortgesetzt. Bei diesem Handwerk wird ein Druckmuster im Handdruck auf die Stoffe aufgedruckt. Diese werden dann in der so genannten Küpe mit Indigoblau ausgefärbt. Danach wäscht der Blaudrucker die gedruckten Muster ab und der Stoff offenbart blütenweiße Blaudruckmuster auf blauem Grund.

In der Jever Druckerei werden Muster, Stoffe und Rezepte der ehemaligen Blaudruckereien aus Ostfriesland, dem Oldenburger Land, Norddeutschland, Niederlande, sogar aus der Schweiz und aus Ungarn aufbewahrt. Das heute doch vielerorts in Vergessenheit geratene Handwerk florierte vor 200 Jahren in ganz Europa.

Als  Besucher der Blaudruckerei kann Druckern bei der Arbeit zusehen und erhält Erläuterungen und Informationen zum Handwerk, so zum Beispiel wenn Tischwäsche, Tücher oder Meterware angefertigt werden. Die Designs der Blaudruck-Stoffe werden manuell mit so genannten Modeln gedruckt. Zu Beginn waren diese Buchsbaumholz gefertigt, im 19. Jahrhundert jedoch gestaltete man das Muster aus feinen Metallstiften, welche in Birnenholz eingesetzt waren. Diese Modeln wiederum stellte ein spezialisierter Handwerker, der Formenstecher, her. Die Werkstatt im Kattrepel („da wo sich die Katzen raufen“) arbeitet mit fast 500 Modeln aus den letzten vierhundert Jahren.

Mit Hilfe der Modeln wird der Druckpapp auf den Stoff aufgedruckt, eine eigens dafür kreierte klebrige Masse. Das 400 Jahre alte Rezept dafür besteht aus Gummi-arabicum, weißer Tabackspfeifenerde, Kupfervitriol, Grünspan, Bleizucker, Alaun und Bleisulfat und weiteren „Zutaten“. Das ganze wird als schützende Reserve auf dem weißen Tuch an den so bedruckten Stellen wirken. Dann wird sehr sorgfältig jedes Tuch Stück für Stück von Hand bedruckt.

Die sich anschließende Blaufärbung findet in der Indigo-Küpe statt. Der bedruckte Stoff kommt dann auf einen eisernen Kronreifen gespannt und wird mit diesem bis zu zehnmal in den Bottich mit der Farbe getaucht, bis der gewünschte Färbegrad erreicht ist. Indigo zaubert ein feines Blau und der Zuschauer darf zusehen, wie der Stoff wird vom Färber anschließend “grün und blau geschlagen…“wird. Der anfangs aufgedruckte Papp wird abgewaschen, und das weiße Muster erscheint auf blauem Untergrund.

Durch den Handel mit Indien lernten die Europäer erst vor ca. 400 Jahren dieses Druckverfahren kennen. Zuvor kannte man nur zum Blaufärben nur den Färberwaid aus Thüringen, der vom besseren tropischen Indigo nach und nach zurückgedrängt wurde. In Jever arbeiteten bis zur Jahrhundertwende drei Druckereien, welche dann aber durch die Industrie verdrängt wurden.